Die Griots auf der Leinwand - Die Programm-Bausteine
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44 Filme aus 16 Ländern Afrikas – 15 RegisseurInnen zu Gast
Vom 7. bis zum 26. Oktober präsentiert FilmInitiativ Köln 44 Spielfilme, Dokumentationen und Kurzfilme aus 16 Ländern Afrikas. 15 RegisseurInnen, darunter Gäste aus Algerien, Tunesien, Ägypten, Äthiopien, DR Kongo, Nigeria, Guinea, Uganda und dem Sudan, sind eingeladen, um über ihre Produktionen mit dem Publikum zu diskutieren.
Retrospektive von Festival-Highlights
In einer Retrospektive sind Highlights der bisherigen neun Kölner Festivals (wieder) zu entdecken, darunter Klassiker des afrikanischen Kinos wie die Dorftragödie Yaaba aus Burkina Faso und Mossane von Safi Faye, der erste Spielfilm einer Regisseurin aus dem Senegal, die furiose Komödie Room to rent um einen ägyptischen Migranten in London und der Thriller Hijack Stories aus dem südafrikanischen Township Soweto.
African Short Cuts
Drei Kurzfilmschienen bieten so unterschiedliche Genres wie die Verfilmung eines äthiopischen Volksmärchens und die Western-ähnlich inszenierten Abenteuer eines mythischen Schwertkämpfers aus den Bergen Südafrikas.
Dokumentationen: Vom Kindersoldaten zum Rap-Musiker
Die Dokumentarfilme des Jubiläumsprogramms erinnern u.a. an den Einsatz Che Guevaras in Afrika, berichten von vergessenen Flüchtlingslagern im Tschad, portraitieren einen Strandgut-Künstler aus Tunesien und beschreiben die Suche einer sudanesischen Filmemacherin nach Erklärungen für den Bürgerkrieg in ihrem Land. Der Eröffnungsfilm War Child folgt dem dramatischen Lebensweg Emmanuel Jals vom Kindersoldaten im Sudan zum international bekannten Rapper.
(Emmanuel Jal wird nicht nur zu der Filmvorführung nach Köln kommen, sondern im Rahmen des Festivals auch ein Konzert mit seiner Band im Kölner Stadtgarten geben.)
FESPACO-Preisträger in Köln
Die Spielfilme aus jüngerer Zeit belegen, wie engagiert sich FilmemacherInnen aus Afrika mit gesellschaftlichen Missständen auseinandersetzen. Themen wie Krieg und Repression, autokratische Herrschaft und Korruption werden nicht plakativ präsentiert, wie in den hiesigen Medien üblich, sondern differenziert und aus der Perspektive der Betroffenen.
So erzählt zum Beispiel der beim FESPACO 2007 mit dem Hauptpreis ausgezeichnete Film Ezra von Newton Aduaka aus Nigeria von einem Kindersoldaten aus Sierra Leone, der sich vor einer Versöhnungskommission rechtfertigen muss, weil er an einem Massaker in seinem Heimatdorf teilgenommen hat. Dabei verschiebt sich im Laufe der Verhandlung die Perspektive auf das anfangs scheinbar geklärte Kriegsgeschehen und damit auch die Haltung des Kinopublikums.
Panascreen Award für Newton Aduaka
Für sein herausragendes Gesamtwerk, zu dem u.a. das Hiphop-Drama Rage aus einem Migrantenviertel in London sowie preisgekrönte Kurzfilme wie Aïcha
gehören, erhält Newton Aduaka in Köln den mit 1000 Euro dotierten Panascreen-Award. Dieser neu konzipierte Preis soll auf Initiative westafrikanischer Filminstitutionen einmal im Jahr von den OrganisatorInnen wechselnder Afrika-Filmfestivals verliehen werden. FilmInitiativ Köln macht beim Festival Jenseits von Europa X 2008 den Anfang, Preisverleihungen bei Festivals in Senegal, Botswana und Äthiopien sollen in den nächsten Jahren folgen.
Aktuelles politisches Kino aus Afrika
Die neuen Spielfilme afrikanischer RegisseurInnen, die beim letzten FESPACO und anderen internationalen Festivals ausgezeichnet wurden und in Köln zu sehen sind, illustrieren, wie engagiert und politisch das aktuelle afrikanische Kino ist.
So thematisiert z.B. der im Kongo aufgewachsene Regisseur Raoul Peck in Sometimes in April den Genozid in Ruanda und die Mitverantwortung der internationalen Staatengemeinschaft daran. (Bisher fand dieser herausragende Film keinen deutschen Verleiher, obwohl er im Wettbewerb der Berlinale lief).
Der Film La chambre noire setzt politischen Oppositionellen aus Marokko, die unter König Hassan II. in geheimen Folterkellern landeten, ein cineastisches Denkmal.
Und der tunesische Regisseur Nouri Bouzid wird in Köln gleich zwei sozialkritische Spielfilme vorstellen: Puppen aus Ton über die Ausbeutung junger Mädchen vom Lande als Haushaltshilfen in der Metropole Tunis und Making Of über einen Breakdancer, den die rigiden gesellschaftlichen Verhältnisse und seine Perspektivlosigkeit in die Fänge islamistischer Terroristen treiben.
Das Vordringen radikal-islamischer Gruppen in Afrika thematisieren auch Spielfilme aus Algerien (Barakat) und Guinea (Il va pleuvoir sur Conakry), der eine auf dramatische, der andere auf parodistische Weise.
Schließlich erinnern mehrere afrikanische RegisseurInnen an Kapitel der (Kolonial-) Geschichte, die in Europa weitgehend ignoriert und verdrängt werden. So geht zum Beispiel in Juju Factory (in Köln vorgestellt von Balufu Bakupa-Kanyinda aus der Demokratischen Republik Kongo und eingeleitet durch einen Vortrag der antikolonialen Filmgruppe Remember Resistance aus Berlin) ein afrikanischer Schriftsteller in Brüssel Spuren der belgischen Kolonialgeschichte nach und der Algerier Rachid Bouchareb erinnert in Indigènes (Days of glory) an die millionenfachen Einsätze afrikanischer Kolonialsoldaten im Zweiten Weltkrieg.
Ob es in Spielfilmen um die Diskriminierung von Frauen, die Lage von Straßenkindern oder die Probleme afrikanischer MigrantInnen in Europa geht und ob die Themen in Form von Tragödien oder Komödien präsentiert werden, so plädieren die RegisseurInnen mit ihren cineastischen Mitteln doch stets für die Veränderung der Verhältnisse, die zu den von ihnen kritisierten Zuständen geführt haben.


