Der Mähdrescher Gottes
(Diesmal am dritten Dienstag im Monat!)
21. Radiolounge am 15.12.2009, 21 Uhr, Filmpalette, Lübecker Str. 15
Der Mähdrescher Gottes
Reinhard Bonnke auf Kreuzzug in Nigeria
Von Bettina Rühl
Der Mann ist fast 70 Jahre alt, sieht in seinen grauen Anzügen aus wie ein Angestellter - und wird in Afrika gefeiert wie ein Pop-Star: Wo Reinhard Bonnke auftritt, werden T-Shirts mit seinem Portrait verkauft, Schüsselanhänger, CDs und Videos. Hunderttausende pilgern zu den Orten, an denen er auftritt, und bejubeln ihren Star, wenn der im offenen Mercedes durch die Menge fährt. Selbst Sportstadien können den Ansturm nicht fassen, deshalb steht Bonnkes Bühne immer unter freiem Himmel: Zu seinen Mega-Events kommen Millionen von Menschen – und zwar an einem einzigen Abend!
Bonnkes Erfolgsrezept ist sein Versprechen: Er sagt, er könne die Menschen heilen, und zwar im Namen des christlichen Gottes. Für Wunderheiler gibt es in Afrika viel zu tun, denn die medizinische Behandlung mit irdischen Mitteln können immer weniger Menschen bezahlen: Die Regierungen ziehen sich mehr und mehr aus dem Gesundheitssystem zurück.
Und Bonnke, der Wunderprediger aus Frankfurt am Main, hat noch mehr Erstaunliches zu bieten: Er kann die Menschen, wie er sagt, von Flüchen befreien. Auch diese Gabe ist in Afrika mehr und mehr gefragt: Viele Menschen können sich Bildung nicht mehr leisten, und je komplexer die globale Wirtschaft wird, desto weniger verstehen sie die Gründe für ihre Armut. Wer alles gibt und sich bemüht und trotzdem ständig scheitert, kann sich das eigene Missgeschick bisweilen nur noch durch Flüche erklären.
WennBonnke beginnt, diese Flüche zu brechen und im Namen Jesu mit den afrikanischen Gottheiten kämpft – dann hat der weiße Mann seine größten Momente unter dem tropischen Himmel. Dann zieht er seine Anzugjacke aus und steht, nur noch im weißen Hemd und Anzughose, in der afrikanischen Nacht und donnert gegen die alten afrikanischen Götter – ganz so, als glaubte er ebenso fest an deren Existenz wie sein Publikum.
SprecherInnen: Claudia Mischke, Bruno Winzen, Susanne Flury, Jochen Breiter.
Technische Realisation: Karl-Heinz Stevens und Susanne Friedrich.
Regie: Anna Panknin.
Redaktion: Hermann Theißen.
Produktion: DLF mit dem ORF, 2003
Wir freuen uns auf spannende Dialoge mit Bettina Rühl an der Filmpalette Bar.


